Spanien:
Das Mammut mit dem roten Punkt
Ein neues Buch - ein
Reiseunterhalter
Die andere Forschung des Dr.
Harald Schmidt
„Die Bluse aus dem zarten Gewebe ist weit
geöffnet… Der Gast streicht über die Bergspitze - erst über die eine, dann über
die andere. Göttlich ist der Blick über die Wolken. Die Spitzen erstarren
allmählich wie das Magma in den Kaminschloten der heißen Vulkane vor Millionen
Jahren im zentralen Gebirgsmassiv von Gran Canaria. Die kleine Schlucht
zwischen den beiden Gebirgskämmen lockt den einsamen Wanderer. Die Lippen des
Gastes erreichen sie allmählich beginnend bei Teide Nummer eins und etwas
später nach einiger Verweilzeit bei Teide Nummer zwei. Er wandert längere Zeit
am Ort - und dann eine leicht feuchte Spur mit den Lippen hinterlassend abwärts
zur Schlucht, die ihn mit Sehnsucht erwartet…“
Der Tourismus- und Freizeitforscher Dr. Harald Schmidt hat ein neues
„Forschungsprojekt“ abgeschlossen: ein Buch zum Lesen vor und nach der Reise
oder für den, der gedanklich reisen möchte. Während der Reise soll das Buch ein
Reiseunterhalter sein.
Der promovierte Soziologe und Journalist lässt einen fiktiven Gast
von María verführen, ihn von Pimientos scharf machen, die grüne Ölspur
verfolgen, die Samenbank auf Gran Canaria besuchen, sich in Schinken verlieben,
den Stier, der öfter kann, bewundern. Dieser Gast macht Nonnen und den Gräbern
der Könige von Aragón seine Aufwartung. Er entdeckt das geheimnisvolle Mammut
mit dem roten Punkt an Asturiens bewegter Küste. Der Gast genießt edle Weine,
delikate Speisen, feine Essige und Öle und, und, und… Er wandert auf dem Pfad
der Elefanten und trifft Picasso auf dem Bahnhof. Der Gast erzählt von herben
Verlusten und fühlt sich ungleich behandelt zu schwergewichtigen Zeitgenossen.
Mit Humor erzählt der Autor nicht nur über Sehens-, Hörens- und
Genusswertes in Spanien, sondern hat als Deutscher einen humorvollen Blick auf
seine Landsleute. Der Wissenschaftler zeigt seine journalistische Seite. Er
wählt verschiedene Genres und gönnt dem Leser mit mal mehr und mal weniger ernst
gemeinten Sprüchen gedankliche Pausen.
Epilog:
Spanien ist das wichtigste ausländische Reiseziel. Mehr als die
Hälfte der Deutschen hat mindestens einmal Spanien besucht. Eigene repräsentative
Bevölkerungsbefragungen des LEIF-Instituts von Dr. Schmidt haben allerdings
ergeben, dass deutsche Touristen trotzdem relativ wenig über Spanien wissen.
Zumeist kennen deutsche Gäste nur ihre unmittelbare Urlaubsregion im Süden.
Mittel und Nordspanien sind den meisten Deutschen unbekannt. Das Buch soll
helfen, einige weiße Flecken auf der Landkarte Spaniens zu färben.
Dr. Harald Schmidt leitet seit 20 Jahren das private
Leipziger Institut für empirische Forschung LEIF. Dieses Institut forscht vor
allem auf den Gebieten Tourismus, Freizeit, Medien und Wertorientierungen.
Analysiert wird z. B. das Verhalten der Deutschen in diesen
Lebensbereichen.
Weitere kurze Leseproben:
Salamanca: Geschichten in
Stein
An der Kathedrale und anderen
Fassaden nahe der Universität finden sich rote Graffiti, einige deutlich frisch,
andere stark verblasst. Es dominiert das große ‚V’ oder, kunstvoll gestaltet,
der so genannte ‚VICTOR’.
Früher mit Stierblut, heute mit roter
Farbe, wurden und werden Erfolge verewigt. Meist sind es akademische Erfolge
von mehr oder weniger berühmten Persönlichkeiten; zum Beispiel die Verteidigung
der Promotion. Ein Glück, dass der deutsche Exminister und Lügenbaron nicht in
Salamanca abgeschrieben hat. Sonst müsste die poröse Wand ganz schön geschrubbt
werden. Aber diese qualvolle Arbeit könnte ja der Betrüger erledigen, zur Buße
… So kommt es dem deutschen Gast in den Sinn.
Galicien: Der
Monsignore als Marktforscher
Don Jaime stellt auch die
begehrten Urkunden aus, für die mindestens 100 Kilometer Weg zu Fuß oder auf
dem Pferd und 150 Kilometer per Fahrrad auf dem Jakobsweg zurückgelegt werden
müssen. Woher erkennt er, ob Mann oder Frau wirklich den Weg zurückgelegt hat?
„Zum einen hat er die Stempel der Gemeinden als Etappenziel. Zum anderen sieht
man es auch. Wenn Sie nur in eine Richtung wandern, dann ist eine
Gesichtshälfte, beim Jakobsweg die linke, gebräunter als die andere“,
schmunzelt der Herr über die Urkunden.
Rioja: Der
Grand Reserva für drei Euro fünfzig
Der Gast hat von einem bekannten
deutschen Discounter ein Angebotsblatt mitgebracht, weil er sich darüber
geärgert hatte. Auf dem Werbezettel wird eine Flasche Gran Reserva für 3,50
Euro angeboten. Die Antwort von Winzer Jesús: „Wir kämpfen alle gegen so etwas.
Das ist im Grunde Etikettenschwindel. Bedenke bitte: Reserva lagert nach dem
Abfüllen noch zwei Jahre in der Flasche, Gran Reserva drei Jahre. Gran Reserva
verbringt ein Jahr im Großbehälter, dann drei Jahre im Eichenfass, besagte drei
Jahre in der Flasche. Das sind insgesamt sieben Jahre Arbeit, Überwachen und
Prüfen. Dazu kommen die Weintrauben – der Anteil des Weinbauern. Dieser edle
Rote kann bis zu zehn, mitunter auch zwanzig Jahre in der Flasche erhalten
bleiben. Allein der Korken kostet pro Flasche heute 60 bis 70 Cent. Dazu kommen
Flasche, Etikett, Verschluss und Karton. 3,50 Euro sind gerade einmal der Materialwert für die
Verpackung. Ein solcher Preis kann bei einem Qualitätsprodukt einfach nicht
stimmen.“
Harald
Schmidt: Das Mammut mit dem roten Punkt,
Projekte-Verlag
Cornelius GmbH, Halle 2011, ISBN 978-3-86237-655-1,
Preis:
14,50 €
Information publiziert: 14. 12. 2011